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Die Elektronische Patientenakte

Seit dem 01.01.2021 sind die Krankenkassen verpflichtet, gesetzlich Versicherten die elektronische Patientenakte zur Verfügung zu stellen. Zunächst wird mit einem Feldversuch, an dem 200 Arztpraxen beteiligt sind, begonnen. Mitte 2021 wird mit einer flächendeckenden Versorgung aller 73 Millionen gesetzlich Versicherter gerechnet.

@pixabay

 

Die zentrale elektronische Patientenakte – kurz ePA – ist eine digitale Akte, die die Krankheitsgeschichte eines Patienten dokumentiert. Bisher war die Krankenakte nur beim Haus- bzw. Facharzt oder dem Psychotherapeuten auf dem Praxisrechner gespeichert. Das soll jetzt im Zuge der Vernetzung des Gesundheitswesens anders werden. Die Patientenakte soll an einem zentralen Ort gespeichert werden, auf den alle Akteure des Gesundheitswesens Zugriff haben. Das heißt Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Betriebsärzte, Apotheker oder Krankenhäuser, also alle an der medizinischen Behandlung Beteiligten, schreiben Diagnosen, Befundberichte, Medikationspläne und Therapieverläufe in diese zentrale elektronische Patientenakte hinein. Sie informieren sich damit zu krankheitsbezogenen Daten eines Patienten und tauschen diese untereinander aus. Das sind z. B. Untersuchungsergebnisse oder verordnete Medikamente. Künftig sollen noch Sprachtherapeuten, Krankenpflegedienste und Betriebsärzte hinzukommen. Alle diese Gruppen dürfen in die Patientenakte schreiben oder darin lesen.

Damit alle Daten zentral gespeichert werden können, müssen die Arztpraxen und weitere Einrichtungen, wie zum Beispiel Krankenhäuser, Psychotherapeuten, Logopäden etc. an die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen werden. Telematik meint im Gesundheitswesen die elektronische Speicherung, Verarbeitung und den Austausch von krankheitsbezogenen Informationen vernetzt auf einem zentralen Server.

Somit werden die Daten nicht mehr nur in der jeweiligen Praxis, Klinik etc. gespeichert, sondern gesammelt online in einem geschlossenen Netz. Zu diesem erhalten registrierte Nutzer (Personen oder Institutionen) mit einem elektronischen Heilberufs- und Praxisausweis Zugang. Für Behandler ist der Anschluss an die Telematikinfrastruktur Pflicht. Für Patienten ist die zentrale elektronische Patientenakte noch freiwillig.

Die Teilnahme an der elektronischen Patientenakte ist bisher freiwillig. Die Daten bleiben 10 Jahre, bei chronischen Erkrankungen 30 Jahre gespeichert.

Die Daten bleiben 10 Jahre, bei chronischen Erkrankungen 30 Jahre gespeichert.

 

Beispiel:

Die elektronische Patientenakte (ePa)

Das System der elektronischen Patientenakte kann man sich wie eine Fachbibliothek vorstellen:

Nur dass hier statt Büchern Patientenakten stehen. Es gibt Bibliothekare, die regulieren, wer Zutritt bekommt und wer in den „Büchern“ lesen darf. Zutritt bekommen nicht nur Ärzte, sondern auch die Forschung. Für die Forschung werden die Patientenakten pseudonymisiert.

©flaticon.com

 

Chancen der ePa

Für Behandler*innen

  • Verwaltungsökonomische Vorteile (weniger Papier, alles geordnet und abrufbar)

  • Datensicherung (schützt vor Datenverlust durch z.B. Feuer, Wasserschaden, Computerschaden etc.)

  • Flexibilität (Daten sind nicht nur in der Praxis aufrufbar)

  • Doppeluntersuchungen können vermieden werden (bessere Information, kann ggf. Zeit und Material sparen)

  Für Patient*innen

  • Doppeluntersuchungen können vermieden werden (geringeres Stressempfinden, weniger Belastung)

  • Flexibilität (eigene Daten können einfach und schnell abgerufen werden, Rezepte, Arztbriefe etc. müssen nicht mehr in Papierform mit sich getragen werden, sondern können online abgerufen werden)

  • Freiwilligkeit (Kontrolle liegt zunächst bei den Patient*innen, Entscheidungsrechte wer zugreifen kann)

  • Behandler*innen können durch detailliertes Wissen über vorherige Behandlungen zielgerichteter eine passende Therapie auswählen (besonders im Notfall sinnvoll)

 

Risiken und Gefahren der ePa

Für Behandler*innen

  • Vertrauensverhältnis der Patient*innen könnte leiden

  • Wenn diese nicht an der ePa teilnehmen droht ihnen Honorarabzug

Für Patient*innen

  • Alles oder nichts Prinzip (auch Behandler*innen für die bestimmte Informationen fachlich nicht von Interesse oder Nutzen sind, können die Daten einsehen z.B. auch Betriebsärzte)

  • Datensicherheit (damit alle befugten Behandler*innen auf die Daten zugreifen können, werden diese zentral gespeichert, dies bietet Angriffsstellen für Hacker*innen)

  • Stigmatisierung (aufgrund der für alle bekannten chronischen Vorerkrankungen besteht die Gefahr, dass Patient*innen nicht mehr umfassend untersucht werden)

  • Zweitmeinung einholen wird schwieriger

  • Freiwilligkeit, jedoch durch mangelnde Aufklärung besteht die Gefahr, dass viele leichtfertig ihre Daten freigeben

  • ePa noch sehr unübersichtlich (keine universelle Regelung bisher)

 

 

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