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How to Selbstständigkeit

Möchte man sich als pschyologische*r Psychotherapeut*in selbstständig machen, steht man zunächst vor einem Rollenkonflikt: Zu der Rolle des/der empathischen Therapeut*in kommt die Rolle eines/einer Unternehmer*in hinzu. Dieser Konflikt und das unzureichende Wissen über die Selbstständigkeit ist für viele Psychotherapeut*innen abschreckend. Hier fassen wir kurz ein paar wichtige Informationen zusammen und zeigen euch, wo ihr euch noch weiter informieren könnt.

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Klinische Psychotherapeut*innen, die selbstständig arbeiten, sind Freiberufler. Das bedeutet, man hat einen selbstständig ausgeübten wissenschaftlichen, künstlerischen, erzieherischen, schriftstellenden oder unterrichtenden Beruf. Meldet man z.B. eine eigene Beratungsfirma oder eine selbstständige Tätigkeit als Coach an, fällt das unter den nichtklinischen Bereich und ist somit kein Freiberuf, sondern ein Gewerbe. Ob man ein*e Freiberufler*in ist oder ein Gewerbe hat, macht einige rechtliche und steuerliche Unterschiede, die Grenze zwischen klinischen und nichtklinischen Berufen ist aber manchmal nicht ganz eindeutig - das sollte man also vorher abklären. Wenn man z.B. als Psychotherapeutin tätig ist und gleichzeitig eine Beratungsfirma hat, kann man auch beides anmelden und Einkünfte aus beiden Bereichen beziehen.

Grundsätzlich ist es erstmal wichtig, dass man eine selbstständige Tätigkeit innerhalb eines Monats formlos beim zuständigen Finanzamt anmelden muss, sonst kann es sein, dass man für nichtangemeldete Monate Gebühren nachzahlt. Zudem ist man als freiberufliche*r Psychotherapeut*in dazu verpflichtet, eine Mitgliedschaft beim berufsständischen Versorgungswerk einzugehen. Dieses stellt die Altersvorsorge von Freiberufler*innen bestimmter Berufe sicher und ersetzt somit die Rentenversicherung.

Die Voraussetzung für die Annahme einer selbstständigen Tätigkeit ist nach § 18 EStG die leitende Tätigkeit des Betriebsinhabers aufgrund eigener Fachkenntnisse und Erbringen berufstypischer Leistungen in ausreichendem Umfang. Nach der Anmeldung übermittelt das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, der die Besteuerungsgrundlage ermitteln soll.

Wenn man eine selbstständige Tätigkeit angemeldet hat, kann man entscheiden, ob man freiwillig Buchführung durchführen möchte. Man ist als Freiberufler*in von der Buchführungspflicht befreit, jedoch kann es einige Vorteile bringen, wenn man z.B. Steuerrückstellungen bilden möchte. Die Buchführung muss vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet sein, sodass ein*e Dritte*r sich innerhalb kurzer Zeit eine Übersicht verschaffen könnte.

Als Gewinnermittlung reicht bei Freiberufler*innen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Man erfasst also nur die zugeflossenen und abgeflossenen Einnahmen. Diese ist in der Steuererklärung die Anlange „EÜR“ und es gibt bereits amtliche Vordrucke, die man einfach ausfüllen kann.

Kurze Zusammenfassung: Die wesentlichen Vorteile der selbstständigen Tätigkeit sind also die Gewerbesteuerfreiheit, das Recht zur vereinfachten Buchführung und die vereinfachte Gewinnermittlung!

Trotzdem muss jede*r für sich persönlich kalkulieren, ob eine selbstständige Tätigkeit das richtige ist. Hierzu muss man sich gut überlegen, was man für eine Praxis haben möchte und ob man z.B. einen Kassensitz bezieht. Denn nur mit Kassensitz kann man gesetzlich versicherte Patient*innen behandeln. Hierfür muss man in der Regel eine Praxis eröffnen und Zulassungen kaufen. Die meisten tätigen Psychotherapeut*innen verkaufen und kaufen halbe Kassensitze, die zwischen 25.000 bis 180.000 Euro kosten können. Zudem muss man sich vorab überlegen, wie viel man mindestens verdienen muss, damit die eigene Praxis sich lohnt, wie viel man überhaupt maximal in der Praxis verdienen darf und ob man lieber in einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis tätig ist.

Weitere Informationen findet ihr hier:

Broschüre Steuertipps für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (Kapitel B: Für Selbstständige)

Informationen, Vor- und Nachteile der Mitgliedschaft im Versorgungswerk

Einkommenssteuergesetz § 18

Anlage EÜR

Artikel aus dem Ärzteblatt

Entscheidungshilfe eines selbstständigen Psychotherapeuten

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